Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!

Frei nach dem Thema: Ein großes Fest

(Diese Geschichte habe ich bereits vor einiger Zeit geschrieben – 9.Januar 2010 – )

Eine kurze Geschichte aus dem Leben, so wie es heute sein kann und manchmal auch ist. Vielleicht sollten wir öfter einen Kaffee mit unseren Nachbarn trinken…

« Wie soll ich das bloß meinem Chef erklären?“ Gedankenverloren und bekümmert zündete sie sich eine Zigarette an, was sie eigentlich nie tat – jedenfalls nicht im Haus und schon gar nicht in der Küche. Kein anderer der Familie rauchte, sie eigentlich auch nicht, sie schaffte sich nur regelmäßig Zigaretten an, um sich genau wie ihre Kollegen ab und zu eine Pause zu gönnen.                                                            „Dein Chef hat vorläufig nichts zu melden – jetzt bist du erst einmal krank geschrieben und mit einem vergipsten Fuß kann niemand im Laden stehen und arbeiten.“, brummte ihr Lebensgefährte, drückte ihr rasch einen Kuss auf den Mund und sagte was man sich so zum Abschied vor einem Arbeitstag sagt. Seinen Kaffee hatte er nicht ausgetrunken, die Kinder waren bereits zur Schule und nach seinem Abgang wurde es erschreckend still im Haus.                                                                                                  Sie betrachtete ihren frischen Gips am rechten Fuß, vor zwei Tagen war es passiert: sie hatte einen Weihnachtsbaum in aller Eile gekauft, das sperrige Ding diagonal ins Auto gezwängt und, zu Hause angekommen, mühsam ins Haus gezerrt. Dabei erinnerte sie sich noch, wie sie geschimpft hatte:“Wieso bin ich es eigentlich immer, die den Baum kauft und sich damit herum ärgert?“ Wenn das Ziel aller emanzipierten Frauen sei, wirklich alles eigenständig im Familienleben zu bewältigen, fand sie es ungerecht, dass die Männer sich auf das bequeme Leben einer Prinzessin auf der Erbse einließen. Sie wusste, wie ungerecht sie mit ihrem Urteil war, doch hatte sie wirklich oft den Eindruck für die meisten Sachen allein zu sein.                                       Als sie noch ein Kind war, ging Papa los, um einen Baum zu kaufen. Damals schien die Welt noch in Ordnung. Am Heilige Abend wurde mit den Großeltern zusammen das Essen vorbereitet, dann gingen sie in die Kirche, Oma blieb zu Hause – sie stellte die Geschenke unter den Baum und es war soweit – Bescherung.

Kaum hatte sie den Baum im Wohnzimmer abgestellt, war sie zum Auto zurück geeilt, um die restlichen Einkäufe auszuladen und dummerweise auf dem zu Eis gefrorenen Schnee ausgerutscht. Als unerfahrene Stadtmenschen hatten sie noch nicht daran gedacht, einen Sack Streusalz zu kaufen. Sie hatte versucht, den Sturz aufzufangen und die Sache dabei nur verschlimmert – jetzt war der Knöchel gebrochen.

Diese ruhige Idylle ihres Elternhauses hatte sie angestrebt aber nie erreichen können. In zwei Tagen sollte sie eigentlich mit ihren Kollegen nach New York fliegen, um dort an der internationalen Weihnachtsparty ihres Arbeitgebers teilzunehmen. Einerseits war das eine unglaublich Ehre, dort eingeladen zu sein, doch mit sehr viel Stress und Müdigkeit verbunden. Seid  zwei Jahre hatten sie es bereits so gehandhabt und in der Vorweihnachtszeit war es unpassend, zwei Tage von der Familie weg zu sein. Wenn andere sich mit Haus schmücken und Wunschlisten beschäftigten, stand sie unter Dauerstrom. Seid letzten Sommer lebten sie in einem Einfamilienhaus im Vorbezirk der Großstadt – man konnte von Weitem sehen, dass sie neu hier waren oder sogar annehmen, dass Haus sei unbewohnt. Sämtliche Nachbarhäuser waren festlich erleuchtet, es blinkte von Sternen und Weihnachtsmännern, Girlanden und stilisierten Rentieren in den Vorgärten und auf den Fenstern. „Kitschig!“, war die abwertendes Bemerkung  ihres Lebensgefährten  gewesen, aber im Laufe der Wochen hatte sie sich beinahe an den blinkenden Kram ‚Made in China‘ gewöhnt und sie empfand den Anblick ihres düsteren Hauses wenn sie abends vom Bahnhof kamen und sich vor die Garage parkten, beklemmend. Die Kinder spielten diplomatisch mit und äußerten sich kaum darüber, aber sie war sich sicher, dass sie diese kleinstädtischen Spielereien hinreißend fanden.

Jedenfalls hatte sie alles für die großartige Einladung nach New York besorgt. Eine Etage im Rockefellercenter  war dafür gemietet worden, das war für die meisten unvorstellbar. Dazu die Flugtickets und Hotelzimmer, unglaublich welche Summen dort ausgegeben wurden. In den vergangenen Tagen war sie während ihren Mittagspausen mit der U-Bahn in die charmant schäbigen Viertel der Stadt gefahren, dort gab es Geschäfte, in denen Muslime ihre Ausstattungen für Hochzeiten kauften. Das diesjährige Thema der aufwendigen Party ihres Jobs lautete nämlich ‚Tausend und eine Nacht‘, und so wie sie die Amerikaner einschätzte sollten alle ihrer Kollegen prächtig verkleidet sein. Im Allgemeinen stachen die artigen Europäer bei solchen Veranstaltungen durch ihre Verklemmtheit auf, sie wollte dieses Jahr wenigstens ein schönes Kostüm haben, mit dem sie mit den anderen Gästen Schlange stehen könnte, um ein Polaroid zum Andenken machen zu lassen. Das Kleid war günstiger gewesen als sie geahnt hatte, was nicht bedeutete, dass ihr Mann damit einverstanden gewesen wäre, so ein Ding zu kaufen, geschweige denn von all den Accessoires, dem billigen Schmuck, dem Kopftuch und dem prächtigen Schleier. Ihm standen die Haare während der Vorweihnachtszeit sowieso zu Berge was die Ausgaben der Familie betraf. Alles war  zu teuer, zu viel und eigentlich nicht nötig – schon gar nicht die Ausgaben für ihre geplatzte Teilnahme an einem Fest für Millionäre. Wenn sie mit ihren Kollegen an den Vorbereitungen dieses Festes plante, kam ihr das alles selbstverständlich vor – jetzt, in der fast absoluten Stille ihrer neuen Einbauküche im normalen Leben von Angestellten sah das Ganze schon viel hirnrissiger aus.

Ihr frisch eingegipster Fuß  lag schwer wie ein Bleigewicht an ihrem Körper – nein, sie würde nicht davon fliegen. Sie würde in der spießigen Realität der Kleinstädter sitzen bleiben und obendrein missbilligende Bemerkungen von Seiten ihrer Kollegen ernten. Doch vorläufig galt es, ein dringendes Problem zu regeln. Um halb fünf mussten die Kinder von der Schule abgeholt werden und ihr Mann hatte das Auto mit zum Bahnhof genommen. Es war noch nicht ausreichend Geld vorhanden, um sich einen Zweitwagen zu leisten, sowieso hatte der Arzt ihr in den nächsten Tagen Ruhe verordnet, aber zu allem Überfluss hatte sich die Kinderfrau krank gemeldet und jetzt sah die Situation schwierig aus – wen könnte sie um Hilfe bitten? Es stand außer Frage für sie, den Weg zur Schule zu gehen und die Kinder waren noch zu jung, um in Sicherheit allein nach Hause zu kommen. Sie blickte fragend durch das Küchenfenster, die Zigarette verbrauchte sich im Aschbecher und ließ an ein Räucherstäbchen denken. Dabei erinnerte sie sich, dass sie früher  Zeit hatte, so etwas anzuzünden, einen Tee mit einer Bekannten zu trinken und dabei Musik zu hören. Es erschien ihr, als sei diese Zeit in einem anderen Leben gewesen. Jetzt fragte sie sich, wie die anderen an ihrer Arbeit im nächsten Monat mit einer Person weniger auskommen würden.

Wer um Himmels Willen konnte die Kleinen von der Schule holen? Dieses wichtige Detail hatte sie nicht bedenken können. Noch hatte sie siebeneinhalb Stunden Zeit, eine Lösung zu finden aber die Zeiger der Wanduhr rückten mit nerventötenden Klacken vorwärts und ihr wurde klar, dass sie so gut wie niemanden aus dieser Wohnsiedlung kannte. Das kam nicht nur durch ihren chronischen Zeitmangel, sondern auch weil sie nicht besonders daran interessiert gewesen war, mit diesen kleinkarierten Vorstädtern Freundschaften zu knüpfen. Der Kauf des Hauses war eine rein geschäftliche Angelegenheit, weil die Mieten in der Stadt ständig anstiegen und der Immobilienmarkt sich in den zukünftigen Jahren gewiss heben würde. Abgesehen davon war keiner ihrer Nachbarn anwesend, die waren an der Arbeit und die Kinder in der Schule oder beim Kindermädchen. Allein im Fenster in dem alten Haus am Ende der Straße brannte Licht. Dem war eigentlich immer so, denn in diesem eigentümlichen Gebäude mit kleinen Fenstern und dicken Mauern musste es zur Winterzeit ständig an natürlichem Licht mangeln. Es musste sich früher mal um einen Einsiedlerhof gehandelt haben, denn der gesamte Komplex war nicht bewohnt, nur der vordere Teil. Die Mauern sahen heruntergekommen aus, stellenweise bröckelte der Putz ab, im Sommer wucherte das Unkraut im Garten und die Hecke ums Grundstück wurde so gut wie nie geschnitten. In den Fenstern funkelten weihnachtliche Blinklichter und im Vorgarten stand ein riesiger von innen beleuchteter Plastikschneemann – alles im Allen verführte sie nicht, zu diesen Leuten zu gehen, um sie um einen Gefallen zu bitten aber es blieb ihr nichts anderes übrig, denn im restlichen Neubaugebiet würde keine Menschenseele zu finden sein. Unwillig wickelte sie sich ihren neuen Schaal um den Hals und wollte sich den Mantel überstreifen als ihr Blick im Spiegel auf ihr Gesicht fiel  – sie sah zum Fürchten aus: blass, mit dunklen Rändern unter den Augen und glasigen Augen. Etwas Puder und Lippenstift würde nicht schaden. Wenn sie schon zu wildfremden Leuten gehen würde, um sie um einen Gefallen zu bitten, sollte sie wenigstens etwas besser als ein Junkie aussehen.

Einmal draußen in der bissigen Kälte mit der Krücke in der rechten Hand kam ihr die Straße viel länger vor. Mühsam arbeitete sie sich Schritt für Schritt durch den frischgefallenen Schnee und dachte sich allerhand Schauergeschichten aus. Wie konnte sie nur zu unbekannten Menschen gehen und daran denken, ihnen die Kinder anzuvertrauen? Aber es blieb ihr keine andere Wahl, ihre Familie lebte achthundert Kilometer weit weg, die Eltern ihres Lebensgefährten waren sehr alt und herzschwach und all ihre Freunde lebten innerhalb der Großstadt – sie arbeiteten sowieso bis spät und hätten nicht helfen können. Endlich war sie vor dem verwilderten Grundstück des Einsiedlerhofes angelangt und betrachtete kritisch das riesige Gebäude. Das Haus erschien mächtig im Vergleich zu den modernen Einfamilienbungalows, es verfügte über drei Etagen, wovon nur die zwei unteren bewohnt schienen. Das Dach war in einem erbärmlichen Zustand und schwere Tropfen plumpsten aus der verrosteten Dachrinne in große Eimer. Ein altmodisches metallenes Tor hing schief zwischen den steinernen Säulen zur Straße, dort war eine Glocke befestigt, offenbar verfügten diese merkwürdigen Kauze nicht einmal über eine elektrische Klingel und der abscheuliche Schneemann grinste sie aus dem Vorgarten her an. Um Nichts in der Welt würde sie dort um Hilfe beten, doch es war zu spät, um sich aus den Staub zu machen, die Alte hatte sie durch das Fenster entdeckt und winkte ihr mit übertriebender Freundlichkeit zu. Einen Augenblick später schob sich die Tür auf und kam heraus gestapft. „Nur keine Angst! Kommen sie herein! Das Tor ist ein bisschen unpraktisch – warten Sie, ich helfe Ihnen.“ Umständlich schob sie das metallene Ding in den quietschenden Angeln zur Seite und reichte ihr die Hand. „Stützen Sie sich ab – das geht schon. Na so was, im Glatteis ausgerutscht, was? Ja, das passiert schon mal. Haben Sie was gegen die Schmerzen? Wenn Sie wollen, kann ich Ihnen aus der Apotheke was mitbringen! Kommen Sie – ich mach Ihnen einen Kaffee.“    Sie stammelte ein heiseres ‚Guten Tag‘ und ‚entschuldigen Sie, ich wollte nicht stören‘, doch die Alte schien nicht gehört zu haben. „Das freut mich, dass Sie mal bei uns vorbei schauen. Haben wir Ihren Besuch dem Gips zu verdanken?  Mein Name ist Mathilde und dort ist mein Mann Michel. Entschuldigen Sie das Durcheinander aber wir sind schon seid Wochen in den Vorbereitungen des Festes und jetzt wird uns die Zeit knapp, wie jedes Jahr.“ Mathilde lachte herzlich und schob die Tür hinter sich zu. Einmal drinnen glaubte sie ihren Augen nicht zu trauen, die Wände waren weiß, glatt und sauber zwischen den mächtigen Balken, welche das Gerüst des Hauses bildeten, in einem riesigen Kamin am anderen Ende des Raumes brannte ein angenehmes Feuer – sie wunderte sich über die Dekoration des Kamins – da hatten die einen fast lebensgroßen Elefanten aus kräftigen Karton ausgeschnitten und mit glitzernden Tüchern geschmückt, der Bauch des Tieres ließ Platz für den Kamin. Davor stand ein ausladender Tisch auf dem sich Michel mit allerhand Bastelarbeiten breit gemacht hatte. Vollbärtig und grauhaarig lächelte er verschmitzt über seine winzige Brille hinweg. „Mein Name ist Annette … von welchem Fest reden Sie? Weihnachten?“, stammelte sie verblüfft und blickte auf die ausgerollten Poster, auf welchen Shiva und Ganesh abgebildet waren. „Sehr erfreut Annette, setzen Sie sich! Wissen Sie, wir haben eine Tradition in unserer Familie: jedes Jahr steht Weihnachten bei uns unter einem Motto – dieses Jahr ist es Bollywood. Wir werden den Saal verkleiden, der Elefant ist fast fertig. Michel muss noch den Sitz befestigen, worauf der Weihnachtsmann dann kommt – aber nicht vor Mitternacht.“ Behutsam wurde sie von Mathilde auf einen Küchenstuhl gedrückt und anschließend ließ sie Kaffe in eine Tasse laufen. Die moderne Maschine mit Einwegkapseln wollte nicht  richtig in dieses eigentümliche Haus passen, doch der Kaffe duftete köstlich.                                                                                                            „Wer kümmert sich um die Kleinen nach der Schule? Sie sind doch die Mama von den Zwillingen und Sie sind neu hier?“, fragte Mathilde unverblümt, sie hatte ihren Kaffe noch nicht angerührt, ließ ihn abkühlen, setzte sich vor sie hin und wartete auf eine Antwort. „Woher wissen Sie das?“ Annettes Stimme war kleinlaut und sie pustete verlegen über ihre Tasse als wollte sie sich dahinter verstecken. „Die Tochter meines zweitältesten Sohn geht mit den beiden in eine Klasse, sie hat mir von ihnen erzählt und uns einander vorgestellt – zwei niedliche Dinger. Zweieiige Zwillinge, was für ein Glück! Eine Schwangerschaft und zwei Kinder, da lohnt sich der Aufwand. Liegt das bei Ihnen in der Familie?“ „Ich denke schon …“ Sie fühlte sich wirklich sehr verlegen, es war als hätte Mathilde alles Wissenswerte über ihr Leben erfahren. Noch bevor sie irgendeine Antwort hervorbringen konnte, fuhr die rundliche Frau fort: “Was denkst du Michel? Du kannst die beiden mit unserer Enkelin zum Mittagessen herbringen. Wir brauchen nur bei der Kantine anrufen und Bescheid geben, wer die Kinder heute von der Schule abholt.“ „Ich weiß nicht was ich sagen soll, ich will Ihnen keine Umstände bereiten.“, stammelte Annette. „Ach was.“, winkte die Nachbarin ab. „Die Kleine isst jeden Mittag bei uns und zwei Freundinnen am Tisch sind eine Abwechslung für sie. Wenn Sie möchten, bleiben sie  auch. Es steht nichts Besonderes auf dem Menu: Butternudeln, gekochter Schinken und Gemüsesuppe.“ Annette nickte einverstanden und bedankte sich für die unvermutete Einladung, auf diese Art und Weise könnte sie Bekanntschaft mit diesen merkwürdigen Nachbarn machen.                                   „Feiern Sie Weihnachten immer so großartig?“, erkundigte sie sich. „Naja, wir tun was wir können. Unsere Töchter und Söhne helfen dabei. Jeder bringt etwas zu Essen mit, was zu dem ausgewählten Thema passt. Wir bereiten das Dekor vor. Die jungen Leute müssen viel arbeiten, da können sie sich nicht um so etwas kümmern.“  „Allerdings, unser Weihnachtsbaum ist noch in seinem Netz eingepackt.“, entgegnete Annette betrübt und trank ihren Kaffee aus. „Jetzt haben Sie  Zeit dafür. Wollen Sie telefonieren? Es ist Zeit, Bescheid zu geben, wenn Sie mit unserer Einladung einverstanden sind.“  Annette nickte und nahm das Telefon entgegen. Während sie auf die Töne im Hörer lauschte, bis jemand abnahm, fiel ihr Blick auf den zischenden Dampftopf auf dem Herd. Sie hatte keine Ahnung wie lange es her war, als sie das letzte Mal selbst eine Gemüsesuppe gekocht hatte. Wenige Augenblicke später war die Frage mit den Kindern und deren Mittagspause geregelt. Als sie aufgelegt hatte, bedankte sie sich und sprach mehr aus Verlegenheit:“Es ist lange her, das ich eine hausgemachte Gemüsesuppe gegessen habe.“ Mathilde winkte lange ab. „Ich weiß, es fehlt an Zeit in den modernen Haushalten. Aber wissen Sie, wenn man seine übrige Zeit nicht mit jemand teilen kann, ist das genauso traurig wie einen selbstgemachten Schokoladenkuchen allein essen zu müssen. Was haben Sie für die Weihnachtstage vor? Kommen Ihre Eltern oder fahren Sie zu ihnen hin? Die Kinder würden sich freuen, mit den Großeltern zusammen zu sein, nicht wahr?“ „Wir haben nichts weiter geplant, denn bislang musste ich am vierundzwanzigsten bis Ladenschluss arbeiten, dann mit dem Zug nach Hause – Sie wissen schon, also bleibt vom Heiligen Abend kaum noch was übrig. Die Bescherung wollten wir am fünfundzwanzigsten machen und dann einen Besuch bei den Schwiegereltern abstatten.“ Mathilde nickte verstehend. „Jetzt sind Sie ja für ein paar Wochen zu Hause, vielleicht können ihre Eltern doch kommen?“ Annette schüttelte verneinend den Kopf. „Leider nicht, sie haben anderweitige Einladungen angenommen.“ Ihre Nachbarin atmete tief durch, offenbar missfiel ihr diese trübe Aussicht auf ein derartig mageres Weihnachtsprogramm und Annette zog es vor, nicht weiter zu reden, denn selbst die großartige, wenn auch verpflichtende Einladung ihres Arbeitgebers sollte ihr dieses Jahr vorenthalten bleiben. „Wissen Sie, unser Fest ist in erster Linie eine Familienfeier, die Großen essen, trinken und unterhalten sich, während die Kleinen sich verkleiden und vor Ungeduld platzen bis es endlich zur Bescherung kommt. Wenn Sie möchten, kommen Sie mit Ihrer Familie einfach dazu.“  „Ich will nicht vier Köpfe zu einem Weihnachtsmahl dazu setzen.“  „Warum nicht? Ich kann ein paar Hände zum Ausschneiden und Dekorieren gut gebrauchen.“ Annette blickte der Frau ihr gegenüber in die Augen. Diese Einladung erschien ihr irreal, sogar ihr verfluchtes Kleid würde sie mit ein paar Näharbeiten in Kostüme für ihre Töchter verwandeln können. Zum ersten Mal seid langer Zeit machte sich ein Lächeln auf ihrem grauen Gesicht breit.                                                                                                     „Warum nicht? Ich bin sicher mein Mann findet diese Idee auch sehr gut.“, sprach sie und trank ihre Tasse aus.

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